#11 Von Glasaugen und anderen Fundstücken - Geschichten aus einer Reinigung am Ehrenfeldgürtel

Shownotes

Wie ist es, wenn man in Bickendorf aufgewachsen und sien ganzes Leben in Ehrenfeld in der eigegen Reinigung verbracht hat? In dieser Folge spricht Gertrud Schwope (81) über ihre Kindheit in Bickendorf und erzählt spannende, lustige und auch traurige Geschichten aus ihrem Berufsleben am Ehrenfeldgürtel.

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00:00:02: Hallo und herzlich willkommen bei Zeit zu reden.

00:00:05: Ein Podcast, in dem wir mit KölnerInnen sprechen die zeigen es ist nicht so spät.

00:00:09: neue Erlebnisse Gedanken und Träume zusammen von kleinen Momenten um Begegnungen bis hin zur großen Veränderung findet hier alles seinen Platz Denn Köln ist für uns nicht nur eine Stadt sondern ein Ort voller Geschichten.

00:00:22: Und heute geben wir einer dieser Geschichten Zeit zu Reden.

00:00:27: Herzlich willkommen beim Podcast von Kölsch Hetz Zeit zu reden.

00:00:31: Wir haben heute die Gerdruth-Schwoppe zu Gast, Gerdrut ist nineteenhundertviertig aufgrund des Krieges außerhalb von Kölln geboren aber in Köln aufgewachsen und ein echtes Költschmädchen.

00:00:41: Sie ist im Biggendorf groß geworden und hat sehr lange in Ehrenfeld gearbeitet und davon hat sie eine Menge zu erzählen.

00:00:48: Gerdrud schön dass du da bist und wir freuen uns auf deine Geschichten.

00:00:51: Ich auch

00:00:53: Erzähl mal bisschen wie Du in Kologne aufgewachsen bist.

00:00:56: Ja, wir waren zu fünf Pents Kinder in Klammer.

00:01:01: Und mein Vater hatte viel mit uns um die Ohren und meine Mutter auch.

00:01:06: Wir haben versucht das Beste darauszumachen.

00:01:10: Es ist ihnen aber nicht immer gelungen.

00:01:12: Wir sind nur mit Kölscher Spruch groß geworden und hatten in der Schule verdammt viele Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung, weil wir nur Kölsche gesprochen haben.

00:01:25: In der Schule wurde uns das mächtig ausgetrieben, diese Gölschesprache.

00:01:29: Ihr sagt es immer so lustig?

00:01:30: Wie sagt ihr immer, ihr sprecht Hochdeutsch?

00:01:32: Mit Knubbeln!

00:01:35: Und in Ehrenfeld als sie da groß geworden sind... Da gab's ja auch schon für deine Eltern eine ganz besondere Position die Sie da hatten in Biggendorf.

00:01:42: Entschuldigung in Bickendorf erzählen wir

00:01:44: Ja, wir sind in einem Bestattungs- und Institut groß geworden.

00:01:49: Mein Vater war Schreinermeister und seine Mutter hat ihm empfohlen eine Dudeladen anzufangen – da geht immer Sätze, hat sie gesagt.

00:02:01: Sterben ist immer!

00:02:03: Und wenn du ein Sargladen machst, haste immer zu dunn.

00:02:07: Und deswegen sind wir in einem Sarggeschäft groß

00:02:11: geworden.".

00:02:12: Und da hattet ihr bestimmt auch, habt ihr euch da gekruselt oder war das so ganz selbstverständlich für euch dann damit aufzuwachsen?

00:02:19: Ja, etwa wie andere in der Bäckerei oder in der Schlosserei.

00:02:23: So sind wir eben mit dem Tod groß geworden wenn meine Mutter Gänsebraten gemacht hat heilig Abend oder Weihnachten.

00:02:34: Da saßen wir alle am Tisch und haben uns auf den schönen Gänsebraten gefreut.

00:02:39: Dann klingelte es unten an der Tür, an die Dürr wie man in Gollesät und mein Vater war für drei Stunden wieder mal weg weil einer gestorben war.

00:02:50: Er war vierundzwanzig Stunden immer zu erreichen.

00:02:53: Weil er auch in vierund zwanzig stunden einer sterben kann, war er immer zur hause und dann haben wir den Gänsebreiten alleine gegessen ohne Vater.

00:03:02: der kriegte nachher alles aufgewärmt und das war dann drei stunden ohne Vater.

00:03:09: Und wie ist es dann weitergegangen?

00:03:11: In deinem leben bist du zur schule gegangen auch im bingendorf.

00:03:14: ja da sind wir auch auf die.

00:03:15: eine Borsigstraße war dann die Schule in Bickendorf, und da hat man dann auch seine Erfahrungen fürs Leben gesammelt.

00:03:27: Mehr oder weniger!

00:03:28: Es war eine Totsünde, dass wir schon über einen jungen Schulhof gehen mussten um auf den Mädchenschulhof zu kommen.

00:03:36: Das war schon eine halbe Totsunde.

00:03:38: Wir wurden streng getrennt.

00:03:40: Mädchen für sich, Jungen für sich.

00:03:43: Und wie ich eingeschult wurde stand der Fotograf vor der Tür Und gab mir eine Schultüte in die Hand, weil meine Mutter gesagt hat so was fangen wir erst gar nicht an.

00:03:56: Das ist amerikanischer Kram du kriegst keine Tüte.

00:03:59: also habe ich die vom Fotograf in der Hand gedrückt um das erste Schultagfoto zu machen und hinterher wie das schöne Foto fertig war nahm Der fotografen mir die tüte wieder aus der hand für das andere Kind.

00:04:16: Und dann bist du in Bickendorf auf die Schule gegangen?

00:04:19: Oder das war ja schon eher ein Feld an Borsigstraße, oder?

00:04:21: Nee, war noch Bickendoff.

00:04:23: Dann bist du aber nicht quasi in Bickendorf geblieben, sondern noch ein Stückchen weitergezogen als du älter wurdest.

00:04:30: Hast du deinen Mann kennengelernt?

00:04:32: Erzähl mal, was ist denn passiert?

00:04:34: Mein Mann lernte ich in der Fahre-Sankt-Bacht-Lomerskennen.

00:04:38: Da hatte er in der Pasteur Hieronymi früher einen ... Schönes neues Fahrheim gebaut und da war das gerade neu eingeweiht.

00:04:47: Und dann gingen alle jungen Mädchen hin, um die ersten Weiberfasten nachzufeiern in einem schicken Kostüm.

00:04:55: Der Schlitz war sehr horig verschalzt und maskiert ein Zylinder auf dem Kopf und einen sehr weiter Schlitz im Kleid und die angeklebten Wimpern.

00:05:06: Das hat gezogen!

00:05:07: Da lernte ich meinen Mann

00:05:08: kennen.".

00:05:09: Der erste Tanz, da siezten wir uns noch und er wollte eigentlich nach Hause gehen weil nur junges Gemüse in dem Sal war.

00:05:20: Aber er kam auf mich an.

00:05:22: Wir tanzten und verliebten uns in einem was dann auch zur Ehe führte.

00:05:28: später

00:05:29: Und dann hattet ihr ja ein ganz besonderes Geschäft am Ehrenfeld Gürtel.

00:05:33: Wie kam es dazu?

00:05:35: Mein Mann war Färber und chemisch Reinigungsmeister, was er in der DDR von seinem Vater gelernt hatte.

00:05:43: Und durch Enteignung konnte er den Betrieb nicht übernehmen und ist dann nach Köln gelandet.

00:05:49: Dann hat er gesagt ja ich bin ein Kind aus Selbstständigen im Haushalt und ich möchte auch als Erwachsener selbständig arbeiten.

00:06:00: So machten wir uns dann nach der Heirat selbstständig Mit dem Laden am Ehrenfeldgurtl, die Reinigung und Färberei.

00:06:09: Ja da gab es jeden Tag was anderes, das man gar nicht vorhersehen konnte.

00:06:15: Erzähl mal, du hast ja mir schon weil wir uns ja auch schon länger kennen viele lustige Geschichten schon aus der Reinigung erzählt.

00:06:20: Du hast immer gesagt du wolltest mal ein Buch schreiben.

00:06:23: jetzt kannst du die Geschichte heute im Podcast mal erzählen was so in Taschen gefunden hast und in Flocatis Und was hast du alles für Geschichten zu erzählen?

00:06:31: Ja apropos Taschen finden.

00:06:34: bevor die Textilien die bei uns abgegeben wurden In die Maschine kamen wurden sie erstmal grundsätzlich nachge... gesehen.

00:06:44: Welche Knöpfe sind da dran?

00:06:45: Halten die überhaupt die Reinigung aus, dann mussten sie in Silberpapier angepackt werden.

00:06:51: Die schmutzigen Kragen und Ärmel Bünde mussten vorbehandelt werden, vor dem Reinigen.

00:06:59: Und natürlich müssen die Taschen auch gründlich nachgeschaut werden, weil sonst Schlimmes passieren würde, wenn zum Beispiel einer einen roten Filzstift in der Tasche hätte, der nicht entfernt wird, wer die ganze Maschine rot verfärbt.

00:07:15: Folglich musste gründliche nachgeguckt werden ob was wir gefunden haben im Laufe der Zeit Zum Beispiel einen Glas Auge haben wir in der Tasche gefunden.

00:07:26: Oder ein Beutelchen Rauschgift in Papier eingewickelt.

00:07:30: Habt ihr die Polizei gerufen?

00:07:32: Nein, auf keinen Fall!

00:07:34: Ich dachte was ist das für Pulver in diesem Papier und habe es in den Müll geschmissen.

00:07:39: Am anderen Tag kam der Kunde und sagte Hallo Leute habt ihr mein Rausch-Gift gefunden?

00:07:46: Sag ich was Rausch

00:07:47: Gift?!

00:07:48: Das hab' ich als... Puder angesehen für Schminke oder sowas, das ist in der Mülltonne.

00:07:55: Das haben wir sofort in die Mülltone geworfen.

00:07:58: Ja da ist er ganz beträubelt wieder gegangen

00:08:01: und hat es gesucht

00:08:02: auf keinen Fall.

00:08:04: Das hätte er auch nicht gefunden.

00:08:06: Oder in der Keinewaldzeit haben wir in den Schakets bei den Männer sehr oft Kondome gefunden.

00:08:11: Das lese ich auch zu wünschen übrig.

00:08:14: aber Man muss, bevor man reinigt sehr gut kontrollieren und nachschauen.

00:08:20: Ob auch alles gelehrt ist die Schakett-Taschen und die Hosentaschen usw.

00:08:28: Sonst würde das nicht hundert Prozent in Ordnung

00:08:31: gehen.".

00:08:32: Und da gab es glaube ich noch mal eine Geschichte mit einem Teppich?

00:08:35: Was war denn dem Teppig?

00:08:38: Überarbeitete Frau, die hatte einen Antiquitätenladen.

00:08:43: War sehr überarbeitet und sagte dann rief an, könnt ihr bei mir ein Flocati abholen?

00:08:50: Da hat eine Katze reingepinkelt.

00:08:52: Ich halte es vor gestank hier in der Bude nicht mehr aus.

00:08:55: Dann haben wir den Abends abgeholt Den Teppich Und dann hat er aber auch wirklich so gestunken dass wir ihn zuerst meinen Keller gelegt haben.

00:09:05: Das hätten wir sonst gar nicht ausgehalten.

00:09:08: Und dann, wie wir den endlich mal auseinander nahmen, fiel ein Teller daraus!

00:09:14: Der hatte sie vergessen rauszunehmen und wurde miteingerollt.

00:09:19: Den haben wir auch erst einmal rausgenommen und gespült.

00:09:22: Dann wurde der Teppich gewaschen, wenn sonst der Gestank gar nicht rausgegangen wäre mit Lösungsmittel für Geruch.

00:09:34: Und dann hat sie hinterher einen sauberen Teppisch und einen sauberen Teller überreischt.

00:09:39: Sehr schön, sehr schöne Geschichte!

00:09:42: Seid ihr da auch sehr eng verbunden gewesen mit der Nachbarschaft wahrscheinlich?

00:09:46: Direkt am Ehrenfeld Gürtel, da hält ja die Bahn, die Fenlorstraße in den Nähe... Was gab es dafür Geschichten zu erzählen aus der Nachbarschaft im Ehrenfelt?

00:09:54: Ja einiges.

00:09:56: Wenn Frühling war, guckte ich aus dem aus dem Schaufenster raus und sah die Straßenbahnhaltestelle.

00:10:05: Und sah im Frühjahr sehr, sehr oft junge Pärchen, die sich küssten und in den Auren schauten, eh die Straßenmann kamen.

00:10:14: Dann sah man sofort, ach es ist Frühling!

00:10:17: Und dann kam mal eines schönen Tages morgens ich hatte gerade den Laden geputzt ein Ein junger Mann mit dem Fahrrad, blitzartig vor unserer Türe gefahren.

00:10:28: Bremstisch auf, ging zu uns in den Laden, legte eine Postkarte auf die Theke und ich war so verdutzt weil er keine Kleidung hatte.

00:10:38: Eine Postkante kommt eigentlich nie vor.

00:10:41: Legte die Postkarten hin und schrieb Justizverzugsanstalt Ossendorf.

00:10:48: Ich guckte mit einem Aure so mal drauf sagst wie Sie schreiben ja ins Gefängnis?

00:10:54: Ja, da habe ich den Kennen gelernt.

00:10:56: Der Typ hat heute Geburtstag und ich wollte ihm was schreiben.

00:11:01: Aber sie haben mich jetzt total aus dem Konzept gebracht.

00:11:05: Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich schreiben soll.

00:11:08: Sagst du ist doch ganz einfach!

00:11:09: Schreiben Sie einfach junger Mann auch deine Zeit geht vorüber wie bei mir.

00:11:16: Sagt ganz prompt drauf das ist ja toll Das schreibe ich.

00:11:21: Haben sie auch noch eine Briefmarke für mich?

00:11:23: Dann muss ich die nicht auch noch suchen, sage ich ja, die schenke ich ihnen.

00:11:27: und dann ging er froh, fuhr er weiter.

00:11:30: Am anderen Tag wieder zur gleichen Zeit kam er wieder vorbeigefahren.

00:11:34: Ich kehrte gerade von der Türe.

00:11:37: Riva Sie sind ein Frau aus dem Löffel, hobt ihr Hand und fuhr weiter.

00:11:42: Aber was zum Reinigen?

00:11:43: hatte er nicht dabei nur die Postkarte?

00:11:45: Nein das war für ihn grade mal wichtig.

00:11:49: Was draus geworden ist, weißt du aber nicht?

00:11:51: Er hatte seine Zeit ja schon vorbei und hat Mitleid mit ihm gehabt.

00:11:56: Und das wären die Karte!

00:11:58: Und ihr habt ja ganz viele Aufträge auch gehabt von berühmten Kölner Institutionen.

00:12:04: Sag ich jetzt mal so erzähl mal was waren das für Aufträge, die ihr bekommen habt bei der Reiligung?

00:12:09: Ja da war einmal ein... Ein gegelter Kunde mit gegelten Haaren so im mittleren Alter kam rein und sagte, ich war es dritte Mal verheiratet.

00:12:24: Ich habe meine Alte in die Wüste geschickt.

00:12:27: Ich hab mir jetzt eine neue Wohnung genommen und bin dabei alles auf Vordermann zu bringen, weil ich jetzt die vierte Frau in Aussicht habe.

00:12:36: Könnt ihr mehr drei Teppische abholen?

00:12:40: Jetzt habe ich den ganzen Scheiß allein am Hals und muss sehen, dass die Bude wieder strahlt.

00:12:46: Und dann habt ihr die Teppiche abgeholt?

00:12:49: Ja.

00:12:49: Dann sind wir abends nach Feierabend in einen Vorort von Köln gefahren haben da in dieser Wohnung bei ihm in der neuen Wohnung die drei Teppische abgeholzt Und dann hat er uns stolz seine neue Wohnung gezeigt.

00:13:05: Am Balkon hatte er wunderbar die Balkonkästen eingepflanzt mit wunderbaren Blumen, das hat eine Gärtnerin eingepflanzt, die hat da mehr Ahnung von als ich und deswegen habe ich euch auch bestellt, die drei Teppische abzuholen.

00:13:21: Da habt ihr auch mehr Ahnungen als ich um die wieder auf Hochglanz zu bringen.

00:13:27: In der Zwischenzeit sah ich sein Esszimmer, da hing ein Bild an der Wand mit Grobatschorf drauf.

00:13:34: Da habe ich gesagt, hören Sie mal was ist das dann für'n Bild?

00:13:38: Wie kommt es hier an die

00:13:40: Wand?".

00:13:41: Ja, sagte er ganz lässig.

00:13:43: Das ist der einseste Politiker auf der Welt den ich verehre und er hat bei mir im Esszimmert einen Ehrenplatz.

00:13:50: Und was hast du dazu gesagt?

00:13:52: Aha!

00:13:54: Okay, aber die Teppiche habt ihr trotzdem gereinigt?

00:13:56: Ja natürlich.

00:13:57: Das hat ja mit den Teppischen nichts zu tun!

00:13:59: Die wurden dann nach zwei Wochen auch wieder auf Hochglanz und schön sauber- und frisch duftend abgeliefert.

00:14:07: Ja verrückt was man also so viele Leute kennenlernen und sogar in ihre Wohnungen kann.

00:14:11: ne?

00:14:11: Ja

00:14:12: das ist ganz spannend wie die Leute so wohnen.

00:14:15: ein bisschen spiegelt sich da auch der Charakter nieder der in der Wohnung ist, dass fleer wie die Menschen sind.

00:14:22: Das lernt man da ganz besonders kennen.

00:14:25: Hatte dir dann auch Stammkunden, die immer wiedergekommen sind?

00:14:28: Ja!

00:14:29: Bühnen der Stadt Köln, Roncalli, Holleder und Eis unter anderem.

00:14:35: Roncallih das klingt auch sehr spannend.

00:14:37: aber was habt ihr da so gereinigt von denen?

00:14:39: Nicht nur gereinig, da wurden auch weiße Stoffe in Pudertönen... In achtzehn verschiedenen Pudärtönen gefärbt um die Kostüme, die für Roncalli genäht wurden.

00:14:54: Verträumte es herzustellen?

00:14:57: Da haben wir vorhin uns Bilder angeguckt.

00:14:59: Das sah ja wirklich ganz toll aus wie so richtig zu.

00:15:02: Marie-Antoinette hat eine ganz viele tolle Kostüme, wo ihr vorher die Stoffe gefärbt habt und Roncallie hat dann daraus Kostöme genähen.

00:15:10: Und gab's da mal irgendeine besondere Geschichte mit Roncallih das ihr irgendwas Verrücktes gefunden habt oder so?

00:15:15: Nee!

00:15:15: Nein, da waren nicht so verrückte Sachen wie beim Körner Karneval was da alles in den Taschen ist.

00:15:23: Ja das kann ich mir gut vorstellen.

00:15:25: Was du in den Taschen gefunden hast ja da haben wir schon darüber gesprochen und das haben wir auch schon erzählt genau.

00:15:32: Und jetzt habt ihr aber die Reinigung schon seit einiger Zeit abgegeben?

00:15:36: Aber du erinnerst dich gerne noch daran an diese ganzen Geschichten zurück.

00:15:40: Es sind mittlerweile achtzehn Jahre her und jetzt können wir unseren Ruhestand genießen, aber ab und zu fehlen mir doch noch diese verrückten ausgefallenen Geschichten.

00:15:52: Aber die trägst du auf jeden Fall ja in deinem Herzen und erzählt es auch immer wieder gerne davon wenn wir uns sehen.

00:15:58: Hast du noch mehr Geschichtenauflager?

00:15:59: Was fällt dir noch ein was ihr so erlebt habt?

00:16:02: Ja im Ehrenfeld Zum Beispiel, da kam morgens mal eine Frau mittleren Alters an und brachte ein schwarzes Samtkleid.

00:16:14: Aber schon aus älteren Zeiten war es sehr nach Zigarettenrauchroch.

00:16:20: Und auch nicht mehr so schön.

00:16:22: der schwarze Samt strahlte nicht immer so schön wie wir bei den Kostümen von den Bühnen in der Stadt Köln gewöhnt waren.

00:16:31: Sie sagte ganz traurig diese Schwester Diese Frau, ich bringe hier ein Kleid von meiner Schwester.

00:16:39: Die ist gerade gestorben und dieses Lieblingskleid was schon fast dreißig Jahre alt ist soll wieder schön aussehen und auch nicht mehr nach Rauch riechen.

00:16:52: Ich brauche es in zwei Stunden weil sie tot ist und weil sie schön im Sarg legen soll.

00:16:59: Auch das hat geklappt.

00:17:01: Ja, das ist ein trauriger Geschichte.

00:17:03: Aber auch schön, dass er es in der kurzen Zeit geschafft hat, das Kleid zu reinigen, damit die da drin dann auch beerdigt werden konnte.

00:17:09: Und der andere Mal kam ein junger Mann in den Laden ... Ein Italiener war er.

00:17:15: Man hört das an seiner Ausprache.

00:17:19: Er erwähnte schon mal Bon giorno und so ein paar italienische Worte legte mir einen großen Koffer auf die Theke ohne ihn aufzumachen und weinte erst mal.

00:17:33: Ich dachte, meine Güte was kommt denn jetzt?

00:17:36: Warum weint der wenn dem er den Koffer hier hin legt?

00:17:40: Ja dann hab ich ihn erstmal was weinen lassen und dann macht er den koffer ganz langsam auf und sagt das sind zwanzig Kleider von meiner Mutter alle in verschiedenen Tönen, grün-blau-, rot-, gelb.

00:18:00: Die sollen jetzt alle schwarz gefärbt werden.

00:18:02: dabei weint er auch.

00:18:04: mein Vater ist gestorben.

00:18:05: ich wohne hier und meine Mutter hat mich besucht und hat diesen Koffer extra mitgebracht um ihn hier abzugeben.

00:18:12: weil in Italien keiner färbt mussten wir alle Sachen in der Zeit färben möglichst schnell, weil die Mutter nur vierzehn Tage aufgesucht war.

00:18:24: Auch das hat ihr

00:18:25: gelabt.".

00:18:25: Das heißt, er kannte euch aber, weil er selber aus der Nachbarschaft war.

00:18:28: Er war nicht aus Italien sondern wohnte da irgendwo in der Nähe und nur die Mutter war aus Italie.

00:18:34: Also hattet ihr sozusagen auch internationale Kundschaft in eurer Reinigung?

00:18:38: Dann hatten wir eine Frau, die kam extra aus Düsseldorf

00:18:44: Aus der verbotenen Stadt.

00:18:45: Was ist das Schönste an Düsseldorf?

00:18:48: Fragezeichen, die Autobahn nach Köln würde ich sagen.

00:18:52: Ja genau, das stimmt!

00:18:53: Das ist was Schönster in Düssel-Dorf.

00:18:57: Diese Frau kam extra aus Düsseldov weil eben wir alles gemacht haben was andere nicht machen.

00:19:06: dann brachte sie zum Beispiel ein Fotoalbum zum Reinigen.

00:19:12: Das war außen mit Stoff bespannt und innen waren die Bilder eingeklebt.

00:19:19: Das sollten wir wieder so reinigen, dass das Fotoalbum wie neu aussieht.

00:19:26: oder ihre Kinderwagen, Sportkinderwaren aus Stoff Kinder waren für kleine Kinder mit großen Rädern.

00:19:36: Den brachte sie auch, den wollte sie von innen und außen ordentlich gereinigt haben, dass sie das auch für ihre eigenen Kinder verwahren

00:19:45: konnte.".

00:19:46: Und

00:19:46: das habt ihr alles gemacht?

00:19:48: Was habt ihr mit den Fotos gemacht?

00:19:50: Habt ihr die dringelassen oder rausgenommen?

00:19:51: Nein, drin gelassen.

00:19:53: War nichts Verrücktes dabei?

00:19:55: Nein!

00:19:56: Ganz stinknormale Bilder.

00:19:58: Sie wollte eben das Fotoalbum sauber haben...

00:20:02: Und jetzt macht ihr das ja schon seit achtzehn Jahren nicht mehr.

00:20:05: Was vermisst du denn am allermeisten, wenn du an die Zeit in Ehrenfeld zurückdenkst?

00:20:09: Am meisten vermisse ich die Kölchenkunden zum Beispiel dieser alte Mann der jeden Morgen um neun Uhr frisch und fröhlich am Spazierstock mit silbernem Griff vorbeiging und in der linken Hand ein Würstchen Hielt und das mit Genussars.

00:20:33: Diese Leute um neun Uhr früh den Bratwurst in Essen, die vermisse ich ganz

00:20:39: besonders.".

00:20:40: Wir haben eine wiederkehrende Frage, die ich dir zum Abschluss noch stellen möchte.

00:20:44: Vielen Dank erst mal für die schönen Geschichten, die du erzählt hast!

00:20:47: Und zwar fragen wir immer unsere Gesprächspartnerinnen was würdest du den Köln dann über den Rhein zu rufen?

00:20:54: jetzt so wenn du so zurück Denkst und mit deiner Lebenserfahrung, mit den ganzen Erlebnissen.

00:21:00: Mit den ganzen Leuten die du getroffen hast in der Reinigung?

00:21:02: was würdest du den Kölnern heute über den reinrufen als Botschaft oder als Mahnung?

00:21:08: Oder was auch immer dir einfällt

00:21:10: bleibt alle so wie er seid So aus dem Herz rauf.

00:21:14: jeder soll so bleiben.

00:21:16: wir wirklich ist Und sich freut und lacht an einem schönen Tag.

00:21:22: Vielen Dank, Gerhard Roth.

00:21:23: Das war ein tolles Gespräch und vielen Dank für die schönen Geschichten!

00:21:27: Wir sagen tschüss und bis

00:21:28: bald.

00:21:30: Tschüs.

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